Invest 2015

 

Seit Jahren besuchen Mitglieder der Freien Union die Anlegermesse „Invest“ in Stuttgart. Dort gewinnt jeder der sich über Geldanlagen informieren möchte oder einen Einblick in das aktuelle Finanzgeschehen gewinnen will, einen schnellen Überblick über die Anlageaktivitäten von Anlegern. Man gewinnt den Eindruck, dass Staats-Schuldenberge in Europa, Niedrigzinspolitik, Investitionsstau und Finanzkrise, die Menschen in ihrem Anlageverhalten stark beeinflussen. Aber auch als Informationsplattform über die Bedeutung des Geldes im politischen Umfeld eignet sich die Messe hervorragend. 

Die Anleger suchen nach sicheren, überschaubaren Anlagemöglichkeiten, weil sie der Politik nicht mehr zutrauen, dass sie die Vermögen ihrer Bürger schützt sondern im Gegenteil, durch politisches Handeln eher vernichtet. So finden sich dort wie es den Anschein hat, die Kleinanleger zusammen nach dem Motto: „Kleinvieh gibt auch Mist“. Die Anlegergrößen bzw. Finanzkrisengewinner haben es sicher nicht nötig auf eine Messe zu gehen, sondern haben ihr, von gut bezahlten Fachleuten zusammengestelltes Portfolio.

Das große Schlagwort, das über der Messe schwebte war: „Zins heißt jetzt Dividende“, was so mancher Dividendenaristokrat von der Wall Street längst in die Tat umgesetzt hat.

2015 fließen Rekordsummen an Aktionäre, weltweit sind es über 1,1 Billionen US-Dollar. Diese nachhaltigen Ausschüttungen lassen bei den Aktionären dann auch schnell den Niedrigzins vergessen.

Da wo schon eine Menge Geld ist, gibt es immer eine Möglichkeit es zu vermehren, was  aber macht Tante Emma, wenn das Guthaben auf  ihrem Sparbuch durch die Entscheidungen der EZB zusammenschrumpft, weil sie keine Zinsen mehr dafür bekommt?

Neben all den großen internationalen Banken, Börsen, Investmentunternehmen, Rohstoff- und Goldanbietern oder sogar Exoten wie Banken aus dem Iran, ist uns ein kleiner Stand aufgefallen, der sich stark von den protzigen Messeständen der großen Namen unterschied.

Ein Anlegerinnen-Verein nur für Frauen. Das ist neu! Geldanlagen sind, so scheint es, immer noch Männersache zu sein. Frauen erscheinen besonders auf der Messe nur in Begleitung ihrer Ehemänner oder dienen als modisches, attraktives Beiwerk für die männerdominierte Szene.

Ganz anders bei den Frauen von D…… e.V., den Namen des weiblichen Investmentclubs, der sich vor ca. 9 Jahren gegründet hat wollen wir nicht verraten, denn wir wollen dafür ja keine Werbung machen. Uns geht es dabei nur darum, einmal herauszustellen, dass Frauen sehr wohl mit Geld umgehen können und dass es politisch vielleicht an der Zeit wäre, Frauen mehr in Geld-Geschäfte mit einzubeziehen.

Das Portfolio, das sich die Frauen in basisdemokratischer Zusammenarbeit aufstellen, wirft jedenfalls einen beachtlichen Dividendengewinn ab. Das Geheimnis eines kontinuierlich wachsenden Anlagevermögens ist auch darin zu finden, weil sich die Frauen sagen: „Wir machen Finanzen „erlebbar“! Jede einzelne AG in die sie investieren, ist den Damen persönlich gekannt und schützt sie so vor Fehlentscheidungen und Verlusten.

Wenn man bedenkt, wie viel Geld die ach so schlauen und risikobereiten Finanzdienstleister weltweit schon in den Sand gesetzt haben, muss man vor den schlauen – aber vielleicht nicht ganz so reichen Frauen den Hut ziehen.

Spannend war auch das Streitgespräch zwischen den Autoren des Buches „Der Chrash ist die Lösung“, Mattias Weik und Marc Friedrich und Vertretern der Stuttgarter Börse.

Im gegenseitigen Schlagabtausch mit den Börsianern versuchten die Autoren ihre Überzeugung darzustellen, dass der finale Kollaps kommen wird. Die Finanzkrise sei noch lange nicht beseitigt und nur mit einer verantwortungslosen Insolvenzverschleppung zu vergleichen. Sie mahnten an, dass zur Zeit die größte Vernichtung  unseres Wohlstandes stattfände und unsere Ersparnisse einer schleichenden Enteignung zum Opfer fallen würden. Deshalb raten sie zu ganz soliden und traditionellen Anlagen, wie Gold, Steine statt Scheine und Land. Dem Euro als Währung standen sie kritisch gegenüber und an die schnelle, finanzielle Gesundung Griechenlands glauben sie wohl auch nicht.

Die Börsianer und Finanzdienstleister wollten den Finanzpessimismus nicht gelten lassen. Sie schworen sich auf die angebliche Sicherheit langfristiger Anlagen, wie Aktien und Fonds ein.

Die Besucher hörten zwar aufmerksam zu und stellten kritische Fragen. Schließlich geht es um ihr mühsam erspartes Geld. Die Entscheidung, wohin mit dem Geld, kann einem aber niemand abnehmen. Am Ende stürmten sie den Büchertisch und kauften nach dem Vortrag vorsichtshalber mal das Buch der inzwischen populären Autoren.

Man kann ja nie wissen………?!

 

Autorin: Helga M. Hummel 

Bildquelle: H. M. Hummel