Überdrüssig

Es lebe die Pressefreiheit - die Freiheit der Presse ist tot! So könnte die Headline einer Beschreibung heißen, die unsere Medienwelt darzustellen versucht.

Die Auflagenstärke einer Zeitschrift, Einschaltquoten einer TV-Sendung oder Klicks auf Social-Medien bestimmen heute, ob man einer Nachricht glauben darf oder nicht. Ihr Wahrheitsgehalt spielt eine Nebenrolle. Hauptsache, es hat jemand gelesen oder gesehen. Die Medien-Nutzer haben ja die Möglichkeit sich aus all den Informationen, Ihre Wahrheit heraus zu filtern oder mit einem Kommentar zu versehen, dessen Inhalt dann gleich vom nächsten Kommentator widerlegt wird.

Die Politik reagiert sensibel auf die tägliche Berichterstattung und steht ihr völlig ambivalent gegenüber. Die Presse treibt die Politiker vor sich her und umgekehrt genauso. Sie sind beide nicht frei, sondern Getriebene in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit.

Ein Beispiel: Seit Monaten erleben wir, wie die griechische Presse unser Land und unsere Politiker und Europa verunglimpft und behauptet das sei die Meinung des griechischen Volkes und ihrer Politiker.

Umgekehrt aber genauso! Auch hierzulande wird in übelster Weise von einer bestimmten Presse im Stammtischjargon über Griechenland und die Griechen hergezogen, dass es einem direkt peinlich wird ein griechisches Lokal zu betreten. Man könnte sich vielleicht im Gespräch mit dem Wirt, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, rechtfertigen zu müssen.

Und heute? Endlich - die offiziellen Meinungsmacher scheinen einen Knigge-Kurs belegt zu haben, den auch Herr Tsipras vor seiner Abreise nach Deutschland besucht haben muss. Jedenfalls scheinen alle Beteiligten beim gestrigen gemeinsamen Abendessen ein Schüsselchen Kreide gegessen zu haben - und das ist gut so!

Die Menschen sind es bis zum Überdruss leid, ständig mit Hass und Hetze gegenüber Mitgliedern der Europäischen Union konfrontiert zu werden, die an die Stelle von sachlicher Auseinandersetzung getreten ist.

Vom Professor bis zum Stammtischbruder meint man zu wissen, was besser für Griechenland ist, nämlich raus aus dem EURO oder gar raus aus der EU?

Andere versuchen zu erklären, dass dies den Untergang Europas bedeuten würde.

Nichts von alle dem wird sein! Am Ende muss es eine dritte Lösung geben, nämlich „Zeit ist Geld“!

In unserer, inzwischen weltweit auf Schulden aufgebauten, Gesellschaft wird es Zeit an eine Umkehr zu denken und nachhaltiges Wachstum anzustreben.

Die griechische Bevölkerung ist nach einer langen Durststrecke durchaus bereit die Ärmel hochzukrempeln und ihre Probleme anzupacken. Dazu braucht es aber nun eine besonnene Politik der Steuererhebung und Schuldenvermeidung und nicht der Schuldzuweisungen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine praktikable Lösung noch nicht wirklich erkennbar, kann aber gefunden werden wenn die Europäer sich ihrer gemeinsamen Verpflichtung Europa zu stärken und nicht zu schwächen, wieder neu bewusst werden, auch wenn in der Vergangenheit viele Fehler begangen wurden.

Bevor man in einen Streit hineingeht sollte man zuerst abklären, wie man da wieder herauskommt. Das sollte sich die neue griechische Regierung hinter die Ohren schreiben und ihre versprochenen Reformen ernsthaft anpacken. Am Ende wird jedes Problem am Verhandlungstisch gelöst, das ist ein Merkmal der Demokratie und dort ist es jetzt ja auch gelandet.


Autorin: Helga M. Hummel, Bundesvorsitzende FREIE UNION

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