Gesundheit

Gesundheit ist eines der Kleeblattthemen bei der Freien Union. Wird eine Person gefragt, was sie sich am meisten wünscht, gibt sie meist die Antwort: „Gesundheit - denn ohne Gesundheit ist alles nichts“!

Warum, fragen wir uns deshalb, wird mit der Volksgesundheit manchmal so nachlässig umgegangen?

Zunächst ist natürlich jeder Mensch für seine Gesundheit selbst zuständig und  sollte seine Lebensführung so gestalten, dass zumindest zu verhindernde Risiken für seine Gesundheit ausgeschlossen werden.

Aber Umwelteinflüsse, Veranlagung, Ernährung und das politische und gesellschaftliche Umfeld tragen ebenso dazu bei, ob Menschen sich überwiegend gesund fühlen oder hin und wieder erkranken.

Gesund zu sein oder zu werden und vor allem zu bleiben ist ein Kostenfaktor, der die Gesellschaft - sprich die Krankenkassen viel Geld kostet.

Die Mitglieder der Kassen fordern mit Recht, den sorgfältigen Umgang mit ihren Beitragsgeldern.

Die „Mondpreise“ für Medikamente sind deshalb zum Ärgernis der Gesellschaft und der Kassen geworden.

Um die Aufwendungen für ihre Forschung hereinzuholen, verlangt die Pharmaindustrie für neue Medikamente oft gute Preise. Wen wundert es, dass sie mit den Krankenkassen da regelmäßig im Clinch liegt. Innovative Arzneimittel stehen zur Zeit kurz vor der Zulassung oder werden demnächst auf den Markt kommen. Hier sei das Hepatitis-C-Medikament Sovaldi genannt oder auch neue Medikamente für die Krebstherapie oder Multible Sklerose.

Ähnlich wie bei Sovaldi kann eine Therapie Zehntausende von Euro verschlingen. 2014 sind die Arzneimittelausgaben um 10 % gestiegen, so der GKV Vizechef Stackelberg. Von dieser Seite gibt es nun Vorschläge für eine finanzierbare Arzneimittelversorgung. Die Hersteller können im ersten Jahr nach Zulassung des Medikaments die Preise nach „Gutdünken“ festlegen.  Wo die Grenzen dieses Gutdünkens liegen, weiß niemand so genau. Erst danach greifen die Verhandlungsergebnisse zwischen Herstellern und GKV und bestimmen den neuen Preis. Dies dauert mehr als ein Jahr, in dem die Hersteller tief in die Töpfe der Kassen greifen und unser aller Geld anzapfen. Provokant überhöhte Preise können weder von den Kassen noch von ihren Mitgliedern hingenommen werden. Faire Preise für Innovationen sind gesamtgesellschaftlich von hoher Bedeutung. Warum soll also ein Medikament ein Jahr lang z.B. 100,00 Euro kosten und nach den Verhandlungen dann weniger als die Hälfte. Für die kranken Menschen macht das keinen Unterschied, außer dass ein so hochpreisiges Medikament nicht überall da, wo es notwendig ist verordnet werden kann, weil es zu teuer ist. Man kann sich kaum vorstellen, dass eine zwölfwöchige Therapie mit neuen Medikamenten des US-Konzerns Gilead in Deutschland 60 000 Euro kosten kann. Das seit Februar 2014 im Handel befindliche Sovaldi hat alleine der AOK 40 Millionen Euro gekostet - für lediglich 550 Versicherte, die einen Nutzen davon hatten. Klar, dass die Krankenkassen nun fordern, die Preise rückwirkend an den ausgehandelten Dauerpreis anzupassen.

Die ohnehin schon zu Lasten der Patienten, mit Administration überlasteten Ärzte müssen das Zünglein an der Waage spielen und eine kostengünstigere Therapie finden.

Das Patientenwohl wird dabei zur Nebensache, denn ein kranker Mensch wird zum Spielball zwischen den Interessen der Pharmaindustrie, der Kassen und der Politik, die sich nur allzu gerne von den Lobbyisten der Pharmaindustrie „beraten“ lässt.

Ein völlig anderes Problem, das die FREIE UNION beschäftigt ist die Häufung der Fälle, bei denen Patienten durch Krankenhauskeime massiv geschädigt werden.

Seit Mitte Dezember kämpft nun auch das Universitätsklinikum in Kiel gegen die Ausbreitung eines gefährlichen multiresistenten Keims. Für Intensivpatienten ist er hoch gefährlich. Bei der Bekämpfung setzt die Klinik jetzt auch auf Experten aus Frankfurt. An der Klinik wurden nun 27 Patienten positiv auf das gegen fast alle Antibiotika resistente Bakterium „Acinetobacter baumannii“ getestet.                                                                                                                    Aber was macht Krankenhauskeime, die uns nun schon seit einigen Jahren zunehmend Sorge bereiten so gefährlich?

Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft infizieren sich jedes Jahr 500.000 Klinikpatienten mit multi-resistenten Keimen. Das Robert-Koch-Institut nennt 15.000 Todesfälle im Jahr als Kennzahl.

Der Deutschen Stiftung Patientenschutz zufolge sterben pro Jahr etwa 40.000 Menschen an Krankenhausinfektionen. Davon wären 20.000 durch Hygienemaßnahmen vermeidbar gewesen. Das ist die traurige und skandalöse Seite des Problems.

Inzwischen wurde die Öffentlichkeit durch die Berichterstattung oder eigene Betroffenheit auf die Gefahr von Keimen für das menschliche Leben  aufmerksam gemacht. Auch in der Lebensmittelindustrie, vor allem in der Tiermast, werden Antibiotika dem Futter beigemischt, um die Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden. Da die Antibiotika mit denen in der Humanmedizin verwandt sind, bilden sich resistente Bakterienstämme, die auch für den Menschen gefährlich werden können. Damit stehen immer weniger Mittel zur Bekämpfung der Keime zur Verfügung. Die Entwicklung neuer Antibiotika hinkt dem bislang hinterher - unter anderem, weil die potenzielle Kosten-Gewinn-Bilanz von vielen Pharmafirmen als zu schlecht eingeschätzt wird.

Infektionen kann so glaubt man, in erster Linie durch peinlich genaue Hygiene vorgebeugt werden.

Dass es mangelnde Hygiene sein kann oder Resistenz gegen Antibiotika ist inzwischen hinlänglich bekannt. Acinetobacter baumannii ist der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) zufolge ein gut bekannter Auslöser für Krankenhausinfektionen.

Einen wirklich Schuldigen auszumachen ist hier äußerst schwierig. Die Zuständigkeit zur Bekämpfung der Mängel liegt vorrangig in unserem Gesundheitssystem. Dort laufen die Fäden zusammen und müssen entwirrt werden, damit nicht noch mehr Menschen durch Keime sterben müssen.

Wenn Sie heute als Besucher eines Pharma- oder Kosmetikherstellers die Abfüllungsräume in Gruppen besichtigen dürfen, bekommen Sie Plastikschuhe übergestülpt und in manchen Fällen sogar Schutzbekleidung. Die Hygiene in den Betriebsstätten soll gewährleistet sein.

Besuchen sie aber einen Patienten im Krankenhaus, dürfen Sie dies mit Straßenbekleidung und ungewaschenen Händen tun, ohne dass sich auch nur ein Mensch darum kümmert. Liegt vielleicht auch hier die Gefahr?  Die FREIE UNION vertritt hier die Meinung: „Selbstverantwortung für das eigene Handeln ist eine Sache, geeignete Regeln zu entwickeln für die Beseitigung von solch massiven Problemen ist die Aufgabe der Politik“. 

 

Autorin: Helga M. Hummel, Bundesvorsitzende

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