Der Friede, der Preis und die Frauen

Es war beachtlich und lobenswert, dass die Nobel-Jury den Friedensnobelpreis dieses Jahr an eine außergewöhnliche junge Frau verliehen hat. Niemand anderes wäre dafür so prädestiniert gewesen, wie die pakistanische Schülerin Malala Yousafzai und der 60 Jahre alte indische Kinderrechtsaktivist Kailash Satyarthi, der den Preis mit ihr teilt.

 


In Deutschland war zwar kurzfristig die Rede davon, dass es Helmut Kohl oder der Papst sein könnten, die diesen ehrenvollen Preis verdient hätten. 

Aber sollte es für ein Staatsoberhaupt oder gar für das  Kirchenoberhaupt einer Weltreligion nicht selbstverständlich sein, sich für Frieden und Freiheit der Menschen einzusetzen? Das dürfen die Menschen von ihnen erwarten.   

Endlich rückt einmal eine Frau aus dem Volke durch ihren tapferen Einsatz für benachteiligte Kinder in das Rampenlicht und die Welt erfährt durch die Verleihung des Preises von ihren Heldinnentaten.

Seit knapp zwei Jahren lebt die Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai gemeinsam mit ihren Eltern im britischen Birmingham. Sie hat eine Stiftung gegründet und tritt regelmäßig auf internationalen Konferenzen auf. Ihr Leben hatte sich am 9. Oktober 2012 schlagartig verändert, als mehrere Taliban-Kämpfer in den Schulbus stiegen, in dem Malala saß und fragten: „Wer ist Malala“. Als sie sich zu erkennen gab, schoss ihr einer der Männer gezielt in den Kopf und verletzte sie schwer. Dank einer raschen Notoperation in Pakistan und einer anschließenden Behandlung im Großbritannien überlebte das Mädchen das Attentat.

Aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen und setzt sich heute medienwirksam - obwohl selbst fast noch ein Kind - für Kinderrechte, insbesondere für Mädchenrechte ein.

Den Politikern der ganzen Welt, die sich zur Zeit so hilflos gegenüber den Nöten von Frauen und Kindern in zahlreichen Krisengebieten zeigen, müsste es eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. Ein kleines Mädchen, das den Taliban auf ihre Weise die Stirn geboten hat und Opfer wurde, hat mehr Stärke bewiesen, wie so mancher Staatsmann. Sie hat aufgezeigt, dass nur mit Aufklärung und Bildung gegen das Übel der Frauen- und Kinderunterdrückung anzukämpfen ist.

Wie aber sieht es in Deutschland mit den Frauenrechten aus?

Natürlich, nach dem Gesetz sind die Frauen längst „gleichberechtigt“!

Die FREIE UNION ist keine Freundin von Quotenregelungen für Frauen in Führungspositionen. Wenn aber anders keine Chancengleichheit für Frauen herzustellen ist, wird die Quote wohl noch eine Weile für mehr Frauengerechtigkeit sorgen müssen.

Dies wurde jedenfalls im Koalitionsvertrag ab 2016 festgeschrieben.

Über das Pro und Contra wird in den Medien und auch in den Vorstandsetagen immer wieder heiß diskutiert und schon rütteln CSU-Frauen an den Festungen der Frauenquote:

Unionspolitiker haben eine neue Debatte über das Für und Wider der Frauenquote losgetreten. Mit Verweis auf die schwächelnde Konjunktur sagte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, Union und SPD müssten überlegen, "ob wir alles, was im Koalitionsvertrag noch vereinbart ist wirklich so ganz schnell umsetzen".

Die Frauenquote für Aufsichtsräte beeinträchtige den Handlungsspielraum von Firmen, sagte Hasselfeldt in Berlin. Sie stelle Vereinbartes damit nicht infrage. Zu prüfen sei aber, ob manche Projekte bis zu einer stabileren Wirtschaftsentwicklung "ein bisschen ruhen" könnten, sagte Hasselfeldt.

Die Kanzlerin aber- selbst erfolgreiche Frau ohne Quote sagt:

"Es ist beschlossen, das Gesetz für die Quote kommt". Die Argumente des Für und Wider seien bekannt: "Noch länger darüber zu diskutieren, wäre müßig." Der Frauenanteil in den Vorständen der Dax-Unternehmen sei gesunken und eine gesetzliche Regelung deshalb notwendig.

Angesichts der internationalen Frauenrechte, die in vielen Ländern praktisch auf NULL stehen, scheint die geplante Quotenregelung bei uns ja ein Fortschritt zu sein.

Dass wir aber im Jahr 2014 trotz Grundgesetz Art. 3, (2): „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“, immer noch um die Einhaltung des Gesetzes streiten müssen, ist eine Schande.

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland sind größer als bisher gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Frauen erzielten im Durchschnitt nur die Hälfte der Einkommen von Männern, heißt es in der Analyse.

Die Studie analysiert Daten aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik getrennt nach Geschlechtern. Frauen erreichten durchschnittlich 49 Prozent des Pro-Kopf-Bruttoeinkommens von Männern. In den unteren Einkommensgruppen mit bis zu 25.000 Euro Bruttojahreseinkommen seien Frauen in der Mehrheit, zitiert die Zeitung den DIW-Forscher Stefan Bach. Doch bei den höheren Einkommen lägen die Männer deutlich vorn. So erzielten doppelt so viele Männer wie Frauen ein Bruttoeinkommen von 40.000 Euro im Jahr. Von allen Deutschen, die ein Bruttoeinkommen von über 75.000 Euro jährlich erzielen, seien nur 20 Prozent Frauen. In der obersten Klasse von 500.000 Euro Jahreseinkommen sind es nur noch 16 Prozent.  

Wie überall geht es hier zunächst wieder ums Geld. Niemand möchte zugunsten von anderen Gesellschaftsgruppen, finanzielle Nachteile hinnehmen. Gutverdienende Männer schon gar nicht! Die Logik der Wirtschaft scheint zu sein: „Wer viel verdient - gibt auch mehr aus“! Da es bisher die Männer waren, werden diese gehaltsmäßig gehätschelt.

Möchte man daran etwas ändern, so sollte man die Männer mit ins Boot holen - und zwar nicht mit dem Vorwurf, sie würden den Frauen die Führungspositionen wegnehmen, sondern mit der Aussicht, dass auch Männer bei einer Änderung der Arbeitsbedingungen profitieren würden. Hauptsächlich als Papi, aber AUCH - und das kommt in der Debatte grundsätzlich immer zu kurz - vor oder nach der Familienphase. Die FREIE UNION ist überzeugt, dass auch Single-Männer und -Frauen mehr Work-Life-Balance benötigen. Ob man die gewonnene Freizeit für Familie nutzt, seinen Hobbies nachgeht oder auf Partnersuche geht, soll jedem selbst überlassen bleiben. Viele haben genau deshalb keine Familie, weil sie keine Zeit haben, jemanden kennenzulernen.

Wer also die Diskussion auf Frauen verkürzt, greift zu kurz, wer sie auf die Eltern verkürzt, greift ebenfalls zu kurz.

Mit dieser Verkürzung akzentuiert man ein Thema, das eigentlich alle angeht, als kontroverses Thema "Männer vs. Frauen". Früher hätte man das Thema unter "Arbeitskampf" und "Gewerkschaften" diskutiert. Das ist heute out, heute diskutiert man lieber über Quoten (Zitat dp80).

Aber es klafft auch eine riesige Gerechtigkeitslücke zwischen den Frauen im internationalen Vergleich.

Solange Frauen und ihre Kinder in vielen Ländern dieser Erde als „Sache“ betrachtet werden und in unzumutbaren Verhältnissen leben müssen, darf es auch bei uns keinen Stillstand in dem Bestreben geben, Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Demokratie ist möglich - aber erst dann, wenn die Frauen an allen Entscheidungen teilhaben können.

Es braucht Heldinnen, wie Malala, die der Welt zeigen, dass Freiheit und Frieden nur mit den Frauen möglich ist und nicht gegen sie.

 

Autorin: Helga M. Hummel

Bildquelle: www.pixelio.de

 

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