Messebesuch auf der didacta14 (FREIE UNION Kleeblattthema "Bildung")

Lobbyistentafel
Lobbyistentafel

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildung beginnt im Elternhaus!

Dort machen unsere lieben Kleinen die ersten Schritte auf dem Weg zur lebenslangen Bildung. Elternhäuser sind keine homogenen Einrichtungen, deshalb sind die Bildungschancen auch von Anbeginn recht unterschiedlich.

Sehr bald schon - und das aufgrund eines politischen Versprechens fast flächendeckend, übernehmen die KITA’S einen Teil der Erziehungs- und Bildungsarbeit. Das in Deutschland eingeführte Erziehungsgeld erlaubt es manchen Eltern, wenn sie es wollen, die Bildung ihrer Kinder noch etwas länger von zu Hause aus zu begleiten.

Irgendwann, spätestens dann, wenn die Schulpflicht beginnt, wird die Bildung größtenteils von unseren Schulen übernommen.

Die Entscheidung darüber, in welcher Form und an welcher Schule ein Kind nach der Grundschule eine nächsthöhere Bildungsstufe anstreben kann, wird Eltern und Kindern in 16 verschiedenen Bundesländern mit 16 unterschiedlichen Bildungssystemen unter Beachtung von Bildungsgesetzen vorgeschrieben.

Schon sehr früh trennt sich die Spreu vom Weizen und die Phase der individuellen Bildung beginnt. An dieser Stelle werden die Weichen für die unterschiedlichsten Bildungs- und Lebensentwürfe gestellt.

 



Bildung für alle!

 

Das ist die Überschrift, welche die FREIE UNION an ihre Forderung nach einem besseren, kindgerechten,

familienfreundlichen, chancengleichen und zukunftsorientierten Bildungsrahmen knüpft.

In einer zerklüfteten Bildungslandschaft wie sie in Deutschland herrscht und die einer regelrechten „Bildungsrevolution“

bedürfte, ist von den an der Bildungsaufgabe beteiligten Personen, Organisationen und Institutionen keine Zufriedenheit

oder gar Begeisterung für unser Bildungssystem zu erwarten.

Die Schuldzuweisungen an dem Dilemma reichen von - der Staat ist schuld, die Eltern sind verantwortlich, die Lehrer

sind die Bösen oder es wird gar den Kindern vorgeworfen sie seien heute nicht mehr bildungsfähig weil sie unkonzentriert,

desinteressiert und ungezogen seien.

Nichts davon kann die ganze Wahrheit sein, denn es liegt wie immer an gesellschaftspolitischen Problemen, am Gesamtsystem.

Problemlösungen werden von Fachleuten, Autoren und Betroffenen in der Theorie zuhauf angeboten. Die mitverantwortlichen

Regierungen weisen unentwegt auf die Kosten hin, die weder für die Sanierung der Schulen noch ihre moderne Ausstattung

aufzubringen seien.

Die bestehenden Mängel im Detail aufzuzählen ist heute nicht unsere Absicht - jede Bürgerin und jeder Bürger sind in ihrem

Bildungsbestreben irgendwie davon betroffen und wissen genau wovon wir reden.

Um sich ein Bild von den derzeitigen Bildungsstandards im Lande zu machen, informierte sich die FREIE UNION auf der didacta14,

die vom 25. bis 29. 03. 2014 in Stuttgart stattfand.

Schon im Vorfeld hatte LobbyControl in seinem Newsletter vom 25. März darauf hingewiesen, wie stark die Lobbyisten auf dem

Bildungsmarkt vertreten sind und war mit einer Beobachtungsdelegation vor Ort. Schon durch ihr vielbeachtetes Diskussionspapier

„Lobbyismus an Schulen“, das 2013 erschien, sorgte LobbyControl für viel Wirbel (herunterzuladen bei www.lobbycontrol.de/didacta).

Es ist äußerst empfehlenswert dieses Papier zu lesen, das auch die FREIE UNION als Diskussionsgrundlage für seine

Bildungsrecherchen zum Parteiprogramm nutzt.

Der Eindruck, dass die Lobbyisten den Bildungsmarkt beherrschen bestätigte sich schon nach wenigen Minuten im Getümmel

der gut besuchten Messe.

Stand an Stand reihte sich in den Hallen auf und man bekam schnell den Eindruck, dass es bereits alle notwendigen Medien

und Techniken gibt, die für eine umfassende Bildung nicht nur unserer Kinder, sondern auch für die Erwachsenenbildung gibt.

Die Vielfalt von Hilfsmitteln, Medien, Seminaren, Schularten und Angeboten an die bildungshungrige Nation war beeindruckend.

Neben den staatlichen Schulen, die sich durchaus informativ und kompetent präsentierten, fand man auch verstärkt Angebote

privater oder halbprivater Bildungseinrichtungen. Berge von anspruchsvollem Prospektmaterial stand den Besuchern der Messe

kostenlos zur Verfügung. Auf den ersten Blick hätte man sich fragen können: „Wo finden wir denn nun in Deutschland den

vielzitierten Bildungsnotstand?“

Der Teufel steckt wie immer in Detail! Es sind nicht nur unsere Schulen, die den Ton auf dem Bildungssektor angeben, sondern

verstärkt auch die Wirtschaft. Die Politik doktert schon seit 150 Jahren an den Symptomen herum und ist immer einen Schritt

zurück, wenn es um die zeitgemäßen Anforderungen eines Bildungssystems geht, das unsere Nation in die Zukunft führen soll.

Gleichzeitig darf den Kindern die natürliche Freude am lernen nicht durch Stress, Über- oder Unterforderung genommen werden.

Daran muss die gesamte Gesellschaft arbeiten, wenn sie nicht will, dass die Wirtschaft mit verlockenden Angeboten einseitig

und massiv in unsere Bildungssysteme eingreift, wie sie es sichtbar bereits tut.

Natürlich hat die Wirtschaft auf einem freien Markt das Recht ihr Angebot zu unterbreiten.

Unsere Kinder und Jugendlichen sind aber nicht der „freie Markt“ sondern Menschen mit

unterschiedlichen Begabungen, die u. a. in der Schule erkannt und gefördert werden müssen.

Die Schule muss ein vom Staat und durch das Grundgesetz geschützter Raum sein, der unabhängig

vom Geld des Elternhauses eine Chancengleichheit für die ihr anvertrauten jungen Menschen herstellt. Sie muss eine

demokratische Institution sein, in der Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam im Rahmen der Gesetze Entscheidungen treffen

können, die das Kind in seiner Persönlichkeit fördert und nicht nur eine Aufbewahrungsstätte, wie mancherorts beklagt.

Die Lobbyisten haben das ungelöste Problem der deutschen, teils mangelhaften Lernbedingungen längst erkannt und reagieren

auf ihre Weise. Sie versuchen Einfluss zu nehmen auf die Politik, die Schulen und die Kinder, um ihre wirtschaftlichen

Interessen durchzusetzen. Diese Interessen stimmen nicht zwingend mit den individuellen Bedürfnissen der Kinder überein

und lenken diese bewusst in die von der Wirtschaft gewünschte Richtung.

Ein Bildungsangebot, das nur nach wirtschaftlichen Kriterien funktioniert führt die Kinder jedoch in eine Sackgasse.

Nach dem Prinzip, die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen ist auf Dauer kein Staat zu machen.

Schon bei den geringsten, wirtschaftlichen Schieflagen, werden auch die „Guten“ fallen gelassen, weil man sie nicht

mehr braucht und landen dann automatisch im „Sozialstaatskröpfchen“. Die Wirtschaft interessiert das aber wenig,

weil sie schon wieder auf der Suche nach neuen „Bildungskunden“ ist und sei es in China oder sonst wo auf der Welt.

Unsere konsumgeprägten Kinder und Jugendlichen sind leicht verführbar, sie haben es von klein an so gelernt.

Deshalb liegt es in der Verantwortlichkeit des Staates und seiner Lehrinstitute und der Eltern die Lobbyisten in ihre

Schranken zu verweisen und ihre Einflussnahme von den Schulen fernzuhalten.

Das Geschäft durch einseitige, manipulierte Verführung darf dort nicht stattfinden. In einem fairen, freien Markt

begegnen sich Käufer und Verkäufer auf Augenhöhe, diese ist, wenn Kinder im Spiel sind aber nicht gegeben.

 

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ (Sokrates)

 

Die Erwachsenenbildung nimmt in unserer Gesellschaft einen immer größeren Raum ein. Der demografische

Wandel stellt neue und andere Anforderungen an unsere Arbeitswelt. Lebenslange Weiter-Bildung nimmt an

Bedeutung zu.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ ist längst wiederlegt und out! Immer mehr Senioren tragen

sich zum Studium an Unis ein um neues zu lernen oder versäumtes nachzuholen

Die FREIE UNION ist durchaus eine wirtschaftsfreundliche Partei und sieht besonders die mittelständische

Wirtschaft als sehr wichtigen Teil unserer Gesellschaftsordnung an und begrüßt ihre Anstrengungen auf dem

Erwachsenenbildungsmarkt. Auf diesem Sektor wurden bei der didacta interessante vielseitige Bildungsangebote

vorgestellt, die dem Bedürfnis nach lebenslanger Bildung durchaus gerecht werden.

Seien es Fachbücher, Fachzeitschriften, Management- und Führungsseminare, Seniorenprojekte für ehemalige

Fachkräfte oder moderne Medien wie PC-Hardware und Top-Softwareentwicklungen - der Bedarf und das Angebot

sind umfangreich. Erwachsene fanden hier zahlreiche Möglichkeiten ihre Auswahl zu treffen.

 

Die elektronische Tafel

 

Neue Technologien bereichern den Unterricht und haben die Schiefertafel längst abgelöst. Jetzt gibt es

Bildschirmlösungen - sprich große berührungsempfindliche Fernseher. Die Kinder sind es gewohnt damit umzugehen,

denn schon seit geraumer Zeit sind sie zunehmend mit Ihren Smartphones unterwegs und Touchscreen ist bei ihnen Alltag.

Wir müssen damit rechnen, dass unsere Kinder künftig in einer medialen Welt aufwachsen. Den Kindern wird das kein

allzu großes Problem bereiten, denn sie sind unbelastet von Bedenken und lernwillig, wenn das genutzte Medium Spaß macht.

Ein Interwiev aus der „Stuttgarter Zeitung“ mit einem Lehrer aus einer Hamburger Schule zeigt uns, dass eher die Schule

und die Lehrer eine Problem damit haben, sich auf die neuen Medien einzustellen: „„Smart-Boards setzen sich immer

mehr durch in deutschen Schulen. Ich beobachte aber auch teilweise, dass Smart-Boards in den Schulen angeschafft und

dann nicht genutzt werden. Viele Lehrer wissen einfach nicht so richtig, wie sie die digitalen Tafeln in ihren Unterricht

integrieren sollen. Zum Teil scheitert es schon an der Bedienung“, sagte der junge Lehrer.

Einen Seitenhieb auf unsere Bildungspolitik teilt im gleichen Bericht der Didacta-Präsident Wassilios Fthenakis aus:

„Auf den ersten Blick scheint es so, als ob die Digitalisierung der Bildung die Messe dominieren würde“.

Er betonte schon in seiner Eröffnungsrede, dass das Internet die Organisation der Bildung völlig verändert habe und

Bildungsprozesse zunehmend kommunikativ ablaufen. „Unsere Kinder wachsen in einer medialen Welt auf“, so Fthenakis.

Dieser Entwicklung würde das deutsche Bildungssystem nicht gerecht und habe im Vergleich zu anderen Ländern

Europas im digitalen Bereich einen „deutlichen Nachholbedarf“.

Bei den Podiumsdiskussionen, die die Didacta begleiten, wird indes schnell deutlich, dass die Pädagogen, Wissenschaftler

und Politiker derzeit noch ganz andere Sorgen umtreiben, als die Schulhefte ihrer Schüler durch Tablet-PCs zu

ersetzen – zum Beispiel die frühkindliche Bildung. Gerade in Städten sind gut ausgebildete Erzieherinnen und

Erzieher Mangelware. Dietmut Kucharz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main führt dies auf ein historisch in

Deutschland gewachsenes Defizit zurück: „Gymnasialer Bildung wird hierzulande seit jeher der höchste Wert beigemessen,

was sich sowohl in der Ausbildung als auch in der Bezahlung der Lehrkräfte widerspiegelt. Das ist absurd, weil allgemein

bekannt ist, wie prägend Bildung gerade in den ersten Lebensjahren ist.“

Wobei wir wieder an den Wurzeln der Bildung angekommen wären, wie anfangs bereits erwähnt, beginnt sie im Elternhaus!

Die FREIE UNION weiß, dass es zum Thema Bildung noch sehr viel zu sagen gibt, was hier noch nicht berücksichtigt wurde.

Deshalb arbeitet sie an einem Programmentwurf „Bildung“, in dem Lösungsvorschläge für eine moderne und zeitgemäße

Bildungsrevolution im positiven Sinne angeboten werden.

 

Autorin: Helga M. Hummel, Bundesvorsitzende FREIE UNION

 

Der schiefe Turm von PISA

 

Einen weiteren Beitrag zum Bildungs-Thema schrieb Oliver Koob, 1. stellvertretender Bundesvorsitzender, FREIE UNION:

 

Jedes Jahr werden wir über den aktuellen Stand Deutschlands im Bildungsprogress, gemessen anhand der PISA-Studie,

informiert, jedes Jahr erhalten wir Informationen, dass wir in Deutschland uns ein wenig verbessert haben.

Im absoluten Ranking schaffen wir es meist leicht überdurchschnittlich, oder anders ausgedrückt, wir sind im oberen

Viertel des normalen Mittelfeldes.

Jahr für Jahr wandern gut ausgebildete Fachkräfte aus Deutschland weg, in Ländern in denen mittels Forschung und

Bildung Zukunftsperspektiven möglich sind. Die USA rangiert hier an vorderer Stelle, wo angehende Professoren und

Doktoranden gute Möglichkeiten sehen, für gute Leistung sehr gute Bezahlung zu erhalten.

Jahr für Jahr müssen wir diesen Mangel an Fachkräften im Inland durch bessere Ausbildungskonzepte in der Industrie

oder mittels Politik über Migration von ausländischen Fachkräften ausgleichen. Kosten, die so nicht sein müssten.

Sprechen wir über Bildungspolitik, die möglichen und auch verpassten Chancen, so müssen wir auch über

das „Was ist danach“ sprechen. Hochqualifizierte Kräfte möchten auch eine gute Bezahlung gesichert sehen und

dies für eine langfristige Planung. Rahmenbedingungen, die aktuell in Deutschland nur schwer anzutreffen sind und

wenn überhaupt mehr durch Vitamin B ermöglicht werden, als durch die freie Marktwirtschaft, ob nun in der privaten

Industrie oder im öffentlichen Dienst.

Verbessern wir die Bildungschancen in Deutschland, fördern wir aktuell maximal die Abwanderung unserer Bürger.

Der Nutzen bleibt somit erst einmal gering. Doch nicht nur im elitären Hochschulkreis schlägt sich dies nieder, selbst

in den anderen Bildungsbereichen sieht es nicht besser aus. Wo Jugendarbeitslosigkeit Perspektivlosigkeit erzeugt,

ist die Frage nach mehr Bildung nur eine Grundsatzfrage mit moralischem Anspruch, leider nicht mehr.

Die Freie Union möchte daher nicht nur einfach eine bessere Bildung in Deutschland ermöglichen, sondern auch

Rahmenbedingungen in der Wirtschaft erzeugen, dass diese Bildungspolitik in der Praxis auch besser anwendbar ist.

Nur durch eine nachhaltige Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft im Bildungssektor können wir diese Ziele erreichen.

(Fortsetzung folgt)

 

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