Die Qual der Wahl

Je näher der Bundestags-Wahltermin rückt und umso genauer die Statistiker zum Wahlausgang ihre Zahlenspiele vortragen, desto öfter kommt auch das unerforschte Wählerpotenzial der Nichtwähler zur Sprache.

Günther Jauch hat am 25.08.2013 dieser Gruppe sogar eine ganze Sendung gewidmet. Beinahe jede namhafte Zeitung hat sich, je näher die Wahl rückt, ebenso mit diesem Thema beschäftigt.



Grundsätzlich alle Parteien appellieren verstärkt an das Wahlvolk, dem NICHT wählen abzuschwören und doch bitte an der Wahl teilzunehmen. Dieser Apell ist durchaus verständlich, denn der materielle und auch ideelle Wert einer Stimme ist von großer Bedeutung für die Parteien und die Demokratie. Die Wähler, denen ohnehin nur an Wahltagen eine Stimme zur Verfügung steht, sollten dieses wertvolle Gut nicht missachten sondern selbstbewusst und wohlüberlegt ihre Stimme für den demokratischen Prozess im Lande einsetzen. Nie wird die Wählerschaft von den Politikern so hofiert und wahrgenommen wie in der Zeit vor Wahlen.

 

Bewusstes Nichtwählen ist eines der fragwürdigsten Mittel, den Protest gegen die Politik auszudrücken. Besser wäre es, die Unzufriedenheit dadurch deutlich zu machen, indem die Stimme einer vielleicht bis dahin völlig unbedeutenden Partei gegeben wird. Vorausgesetzt natürlich, ihre Programmatik stimmt mit einigen unserer Wünsche und Forderungen überein.

 

Alles kann man mit einer einzigen Stimme leider nicht haben und deshalb sollten wir uns überlegen, welches unser wichtigstes Anliegen von welcher Partei am besten gelöst werden könnte. Dass dies bei den großen Parteien trotz großer Versprechungen oft nicht zu finden ist, hat die Unzufriedenheit der Nichtwähler ausgelöst und die Parteienverdrossenheit gefördert. Das Gesamtbild unserer Gesellschaft ist nur stimmig, wenn sich jeder mit seiner Meinung einbringt und seinen Teil der Verantwortung selbst übernimmt. Wenn aber rund 25 - 30 % der Wähler statistisch und stimmenmäßig keine Meinung haben, entsteht ein Ungleichgewicht in unserer Demokratie.

 

Die zweifelhafte Theorie „Keine Meinung symbolisiert auch eine Meinung“ kann die FREIE UNION nicht für gut heißen, denn das ist eine schwammige Aussage, die keinerlei Nutzen bietet. 34 Parteien stehen zur (Aus)Wahl, nur 7 von ihnen werden von den Medien kräftig unterstützt indem über sie berichtet wird. Es werden Duelle im TV ausgetragen zwischen den Kanzlerkandidaten, die völlig unspektakulär enden, weil ein Schlagabtausch anders aussieht. Dem folgen spritzige Dreierrunden zwischen den möglichen Koalitionspartnern, die deutlich machen, dass der Kampf um Kompromisse nach der Wahl erst so richtig losgeht.

 

Die Bürgerinnen und Bürger haben zunehmend nicht mehr die Wahl ob sie Wahlplakate ansehen wollen oder nicht. Diese bestimmen das Straßenbild bis ins kleinste Dorf. Die Menge und die Aussagekraft der Plakate ist laut Passantenbefragung kein Gradmesser für die Beliebtheit einer Partei und ihre Wählbarkeit. Die politischen Aussagen auf den Plakaten können einen potenziellen Nichtwähler bestimmt nicht dazu bewegen zur Wahl zur gehen. Fragt sich noch, ob die Parteienfinanzierungsgelder, die auch von Steuergeldern der Nichtwähler stammen hier wirklich gut angelegt sind? Plakate von „sonstigen Parteien“ sind selten zu sehen. Sonstige Parteien, von der Sonntagsfrage mit ca. 5 % beziffert, bleiben medial außen vor. Hier würde es sich für Nichtwähler lohnen einmal in die Tiefe zu gehen, um herauszufinden welches politische Potenzial hier verborgen liegt (www.mopo.de).

 

Auch dort sind vielleicht ehemalige Nichtwähler zu finden, die sich irgendwann doch dazu entschlossen haben zur Wahl zu gehen und dafür ihr eigenes Programm geschrieben haben. Die Unterstützung "sonstiger", demokratischer Parteien, durch eine ansonsten brach liegende oder verlorene Stimme ist ein Zeichen von gelebter Demokratie. Gerade für Unentschlossene Wähler erschließen sich wahre Schätze an politischer Vielfalt, die nach sorgfältiger Prüfung gehoben werden können. Die „Qual der Wahl“ könnte durch Entscheidungsfreude und der Teilnahme an der Gestaltung unserer Gesellschaft unter Einsatz einer eigenen Stimme kompensiert werden.

 

Als eine Partei, die Volkes Stimme auf allen politischen Ebenen durch Volksabstimmungen befürwortet und den bundesweiten Volksentscheid bei wichtigen Entscheidungen fordert, möchte die FREIE UNION die Unentschlossenen dazu ermuntern ihr Wahlrecht in Anspruch zu nehmen, wo immer es geht.

 

Autorin: Helga M. Hummel

 

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