Offene Geheimnisse

Die Taten des jungen Mr. Snowden beschäftigen die Welt. Frühestens seit James Bond wissen wir aber, dass es zwischen den Staaten Spionage gibt und immer gab. Diese war Vorbild für diese spannenden Filme.

Schon Julius Cäsar war vermutlich von Verrätern umgeben. Hätte er sonst die Aussage benutzt, die heute noch in jeder Zitatensammlung zu finden ist: "Ich liebe den Verrat, aber ich hasse Verräter"!


 

Jeder moderne Staat hält sich bis heute einen Geheimdienst, der darauf ausgerichtet ist Dinge zu erfahren, die eigentlich geheim bleiben sollen. Gleichwohl verabscheute J. Cäsar die Personen in seinem Umfeld, die bewusst in Verletzung ihrer Loyalitätspflicht ihrem Herrn gegenüber Geheimnisse preisgaben. Es ist also nach wie vor eine fragwürdige Verhaltensweise, die Loyalität zu verletzen. Dabei kommt es wie immer darauf an, ob der Verräter aus moralisch anerkennenswerten Motiven gehandelt hat oder ob diese verwerflich waren.

Im vorliegenden Fall stellen sich zumindest die Bürgerinnen und Bürger die Frage ob Mr. Snowden aus persönlichen Gründen z. B. einem materiellen Interesse heraus oder aus Gründen der Aufklärung zum Schutz von Grund- und Menschenrechten gehandelt hat. Was dann ein moralisch anerkennenswertes Tun wäre.

Schließlich ist ab sofort jedem Staat, jeder Firma und jedem Privatmenschen klar geworden, dass seine Geheimnisse im www nicht gut aufgehoben sind. Einerseits folgen wir alle dem Ruf nach mehr Transparenz, was nach Epochen der Geheimniskrämerei von Regierungen jeglicher Couleur besonders wichtig ist - andererseits möchten weder Staaten noch Personen sich in die Karten blicken lassen.

Die Handlungsweise von Mr. Snowden ist aus Sicht der USA natürlich kriminell und sie werden keine Ruhe geben, bis sie ihn gefasst haben. Der Menschheit hat er aber wohl eher einen Dienst erwiesen, weil er die öffentliche, weltweite Diskussion über die Gefährlichkeit von allzu freizügigem Datenaustausch in Gang gesetzt hat.

Und was geschieht nun mit diesem intelligenten jungen Mann, dessen Wissen bestimmt jeder neugierige Staat anzapfen möchte? Bis jetzt traut sich niemand ihm Asyl zu gewähren, weil er sonst die mächtige USA vergrämen könnte? Der Bewunderung und dem Respekt jedes freiheitsliebenden Demokraten kann sich Edward Snowden jedoch sicher sein.

Das bodenlose Ausforschen und Abhören durch die USA bei seinen Partnern verlangt nach einer unmissverständlichen Antwort. Die reine Empörung und dann zur Tagesordnung über zu gehen, reicht nicht aus.

Die USA hat die rechtsstaatliche Ordnung gegenüber seiner Partner gebrochen. Nun müssen die Europäer ihre Integrität als Staaten und als Gesellschaften ab sofort wieder respektiert wissen. Dieses Versprechen muss den USA abverlangt werden. Eine Europäische Prüfinstanz muss geschaffen werden, die sicherstellt, dass sich die Geheimdienste daran halten.  

Aus dem Religionsunterricht kennen die meisten noch das Zitat: „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“!

Auch Europas Rechtsstaaten feiern ihre Landesverräter nicht als Helden, das muss bedacht werden. Der Prozess in Deutschland gegen ein russisches Agentenpaar, die 20 Jahre nach Beendigung des kalten Krieges, zu langen Haftstrafen verurteilt wurden beweist, dass das Problem überall auftauchen kann.

Spionage ist nur in Filmthrillern spaßig, in der Wirklichkeit verursacht es bei den Ausgehorchten ein ungutes Gruseln bis hin zur Abscheu. Dies belastet die Psyche und vor allem das gegenseitige Vertrauen.

Wie sollen wir unseren Kindern noch vermitteln, dass das Briefgeheimnis gewahrt werden muss oder niemand heimlich im Tagebuch des anderen lesen darf, ohne sich schuldig zu machen?

Seit Google und Co. hat sich die Welt verändert und das nicht nur zu unserem Besten!

 

Autorin: Helga M. Hummel

 

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